Bautagebuch

Der Sommer 2020 ist vorbei. Was hat sich getan?

Es gibt einiges zu berichten. Beginnen möchte ich mit der Sanierung der Balkenköpfe. Dass bei alten Bauten die Probleme im Detail liegen, weiß man ja. Begonnen hatte es damit, dass der Architekt sich von den Balkenköpfen einen Überblick verschaffen wollte und deshalb einige freilegen lies. Was da zum Vorschein kam, veranlasste ihn, alle alten Balkenköpfe zu überprüfen. Wir waren erschüttert, als wir die Berichte von den Balkenköpfen im Foyer hörten und erst Recht als wir die Fotos sahen. Und über diese Balkenköpfe haben wir hunderte Besucher ins Schloss hineingelassen. Gut, dass zu (ich vermute) DDR-Zeiten im Kellerbereich ein Stahlträger eingezogen wurde.

Im Bautagebuch waren die Begriffe MORSCH und KOMPOSTIERT zu finden. Können sie sich vorstellen, wie das ausgesehen haben muss? Und wenn der „Kompost“ auch noch total trocken ist, so ist die Äußerung, dass ein Baustaubsauger hier voll zu tun hatte, eine treffende Feststellung.

Zur Behebung dieses Problem wurden zwei verschiedene Varianten gewählt. Im Bereich des Obergeschosses zum Dachgeschoss wurden die Balken bis ins gesunde Holz eingekürzt, dann wurde der fehlende Teil ersetzt und beide Teile wurden durch Holzwangen und Gewindestangen verbunden, aufgrund der Enge zwischen den Balken ein sehr schwieriges Unterfangen.

Die zweite Variante war das Einlassen von Schlitzblechen, geschehen im Bereich des Cafés. Die Schlitzbleche dienten neben der Stabilisierung der Balken auch dazu eine sichere Auflage des Balkens auf der Außenmauer zu gewähren.

Die Balken im Bereich des Grünen Salon waren bis in den September hinein das Problem. Hier müssten die Balken z. T. in ganzer Länge ausgetauscht werden. Dazu war es erst einmal notwendig, den Kachelofen und den Kamin zu sichern. Erst dann konnte die Konstruktion aufgebaut werden, die beim Entfernen und Einziehen der riesigen Balken helfen soll.

Zwischen den Balken lagen zum größten Teil Lehmwickel, die mit den Jahren ausgetrocknet waren und ihre Festigkeit verloren hatten. Sie mussten entfernt werden. Bei den Arbeiten an den Balkenköpfen geschah es: Die Lehmwickel im Schinkel-Saal gaben nach und es kam zum Putzabbruch. Teile der schönsten Decke des Schlosses sind jetzt Aufgabe des Restaurators geworden.

So viel zu den Balkenköpfen und ihrer Erneuerung.

Jetzt nur noch als Information:

Im Kellerbereich wurden eine alte Feuerstelle und Elemente der Schlossküche freigelegt. Es sind die ersten Gewölbebögen ausgebessert worden. Im westlichen Teil des Schlosses wurde mit Vorbereitungen für den Außenputz und das Einbringen der Fenster begonnen. Im Foyer begannen die Arbeiten an den Säulen.

Frühjahr 2020

Wer sich unser Schloss von außen angesehen hat, wird nicht viel Neues gesehen haben. Im Moment geschehen die wichtigen Arbeiten im Inneren des Schlosses, aber schon bald gibt es auch für den Außenstehenden wieder etwas zu sehen. Doch was hat sich denn nun im Inneren getan? Ich habe für Sie mal ins Protokoll der Bauberatung geschaut.

Im Ostflügel wurde ein Blindfenster geöffnet und der Bauhistoriker hat einen Korbbogensturz teilweise freigelegt. Im Dachgeschoss wurden Trockenbauverkleidungen abgebrochen (wie es in der Fachsprache heißt).

Holzschutz: Großer Wert wurde auf die Überprüfung der Holzbauelemente im Schloss gelegt. Etwas überrascht waren die Experten, als sie die Holzbalkendecke über dem Sockelgeschoss untersuchten und hier doch erheblichen Handlungsbedarf sahen, weil alle Deckenbalken im Kopfbereich stark vermorscht waren. Hier muss einiges getan werden. – Hoffentlich wird dadurch der Zeitplan nicht zu sehr beeinträchtigt.

Wissen Sie was „Schweinfurther Grün“ ist? Ich habe mich auch erst belesen und Folgendes im Internet erfahren. Schweinfurter Grün wird unter anderem auch als Pariser Grün, Patentgrün oder Mitisgrün bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine chemische Verbindung die neben Kupfer auch  Arsen enthält. Schweinfurter Grün fand im 19. Jh. als Malerfarbe Verwendung. Es wurde wegen seiner Farbintensität und Lichtechtheit geschätzt, allerdings war seine Giftigkeit schon früh bekannt. Unsere Bausachverständigen haben gleich die Gefahr erkannt und werden diese Farbe (die nur in einen Raum gefunden wurde) fachgerecht beseitigen.

Die Bauarbeiter sind derweil mit Abrissarbeiten im Keller beschäftigt. Heute nur kurz einige Infos: Es mussten nachgerüstete Mauern weichen, alte Bogengänge wurden freigelegt und die gesamten Sanitäranlagen kamen unter den sprichwörtlichen Hammer.

Nachdem der Putz ab war, ging man an den Abriss des Treppenportals. Mein geschultes DDR-Denken hoffte, dass bei den Abrissarbeiten vielleicht noch das eine oder andere Stück der Putten  zum Vorschein kommen würde, denn häufig wurde zum Verfüllen altes Baumaterial genommen. Bis jetzt haben wir in dieser Richtung nichts gefunden, aber Anfang Mai wurde beim Abriss der Eingangstreppe unter dieser eine ältere Betontreppe gefunden …. Hier müssen Restaurator und Architekt jetzt nochmals etwas genauer hinsehen.

Bereits am 30. April war der Putz ab und wer das Schloss dann sah, fand zugemauerte Fenster (oder spricht man eher von Blindfenstern?). Waren Sie früher da oder nicht?

Für uns war es wichtig, dass der Restaurator und der Architekt sich nochmals überzeugen konnten, welche Farbgebungen das Schloss im Laufe seiner Geschichte hatte, wie gut die Fensterlaibungen gemauert wurden (immerhin soll es neue Fenster geben und es steht die Frage, ob man unterschiedliche Fenstermaße bei der Anfertigung braucht – was auch eine Kostenfrage ist – und wenn ja, wie viele) und gibt es noch andere „Überraschungen“.

Das Schloss ist eingerüstet.
5. April – Das Schloss war bereits eingerüstet als der Wirtschaftsminister Harry Glawe am 5. April den Startschuss für die Sanierung des Schlosses gegeben hat. Insgesamt sind zwei Jahre für die Umsetzung des Projektes eingeplant. Anwesend waren der Bürgermeister Alexander Benkert, der Vorsitzende des Vereins Barockschloss zu Griebenow e.V. Uwe Schwarz, der Gemeindevertretervorsitzende Wotan Drescher und der Architekt Michael Baldauf (v.l.) und natürlich Vertreter der Presse. Deshalb konnte man in der Ostsee-Zeitung dann lesen, dass sich die Gesamtausgaben auf 3,84 Millionen Euro belaufen. Ein beträchtlicher Teil der Kosten wird vom „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) getragen.